Es ist jetzt schon mehr als ein viertel Jahrhundert her, als im oberschlesischen Heydebrack-Cosel (Kedzierzyn-Kozle) ein Junge auf die Welt kam, der sich bald unter dem Namen Toony in der deutschen und polnischen Musiklandschaft einen Namen machen sollte. Nur 2 1/2 Jahre nach seiner Geburt rangen sich seine Eltern dazu durch, dem sozialistischen System und seinen begrenzten Möglichkeiten im Heimatland Polen den Rücken zu kehren, um mit ihrem Sohn und seiner älteren Schwester nach Deutschland auszuwandern, in der Hoffnung dort ein besseres Leben vorzufinden und ihren Kindern mehr bieten zu können, als es in Polen zu der damaligen Zeit möglich war.

Die ersten Jahre in der neuen Heimat Düsseldorf waren ausgesprochen schwierig für alle Familienmitglieder, besonders das Erlernen der Sprache, sowie das Fehlen der Freunde und des schlesischen Umfelds machte ihnen sehr zu schaffen. Auch wenn die Familie alle Bemühungen der Eingliederung in die neue Lebensumgebung unternahm, legten die Eltern dennoch stets Wert darauf, dass Toony in den eigenen vier Wänden den polnischen Lebensstil vermittelt bekam, um die Werte und Gepflogenheiten seiner Heimatkultur aufrecht zu erhalten.

Die Gegend in der er aufwuchs, war dennoch nicht gerade das, was man sich als die perfekte Umgebung vorstellt, um behütet aufzuwachsen. In der relativ robusten Wohngegend im Süden der Stadt, in der Drogen, Gewalt und Kriminalität die Straßen regieren, hat Toony schnell lernen müssen sich durchzusetzen. Er fing mit Kampfsport an, ging mit Freunden Hanteln stemmen und spielte Basketball und Football, um Aggressionen und Frust zu ventilieren. Doch all das konnte auch nicht verhindern, daß er mit der Zeit vermehrt mit dem Gesetz in Konflikt kam. Es mündete darin, dass Toony letzten Endes von der Schule flog und einer seiner besten Freunde zu 14 Jahre Gefängnis verurteilt wurde. Er fing an über grundlegende Dinge nachzudenken und sich zu fragen, wie es eigentlich weitergehen solle… Schon seit einer Weile interessierte er sich für Rapmusik, dann probierte es selbst mal aus. Rap war die Antwort auf seine Frage!

Da er schon immer ein Talent für Musik und Sprache besaß, fiel ihm das Rappen erstaunlich leicht, so dass es gar nicht lange dauerte, bis man auch über die Stadtgrenzen Düsseldorfs hinaus auf seine Musik aufmerksam wurde. Die Zeit verging und Toony wurde besser und erfolgreicher im Musikgeschäft, so dass er sogar zum Album „Alphagene“ von Kollegah beitrug, einem der meist gefeierten HipHop-Alben im Jahre 2008. Doch seine Ambitionen waren größer und so veröffentlichte er das Lied „Deine Stärke“ als Video im Internet, ohne vorauszuahnen, wie erfolgreich und beliebt dieses Lied bei seinen Landsleuten in Deutschland innerhalb von kürzester Zeit werden würde. Mit der Veröffentlichung traf er den Nerv der Zeit und gab einer ganzen Generation von in Deutschland lebenden Polen ein Sprachrohr.

Bei solch einem Hype ließ auch der langersehnte Plattenvertrag nicht lange auf sich warten. Toony unterschrieb jedoch nicht bei irgendeinem herkömmlichen Plattenlabel, sondern bei Polens größtem Independent HipHop-Label Prosto, das auf dem heimischen Markt seit nun mehr als einem Jahrzehnt einen Gold-Rapper nach dem anderen hervorbringt. Zusammen mit seinem Kollegen, dem legänderen DJ Tomekk, wird Toony unter besagtem Label das im März dieses Jahres erscheinende Album „Ehrenkodex“ veröffentlichen. Bemerkenswert ist, dass die vielversprechende Platte nicht nur deutschsprachige, sondern auch polnische Lieder beinhaltet und folglich gleichermaßen in Deutschland wie auch in Polen releast wird. Damit ist Toony wohl der erste europäische bilinguale Rapper, der in puncto Sprache länderübergreifend fungiert und auf enorm hohem Niveau in zwei Ländern die Szene aufmischt.

Der Weg für eine außerordentliche Karriere ist also geebnet, man darf gespannt sein…